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Toleranz

Toleranz ist ein hohes Wort, das in unserer oberflächlichen Welt aber zu einem etwas abgedroschenen Modebegriff verkam. So meint “Toleranz” meist nicht mehr, als jedermanns Meinung gelten zu lassen, wobei es keine Rolle spielt, ob mir ebendiese Meinung passt oder ob ich sie überhaupt verstehe.

Wirkliche Toleranz bedeutet jedoch mehr als die Vergleichgültigung einer jeden Auffassung, Idee, Religion oder Weltanschauung. Oberflächlichkeit, Teilnahmslosigkeit und Desinteresse sind nicht gleichzusetzen mit Toleranz. Toleranz setzt voraus, dass man selbst eine Meinung hat und zu dieser auch steht. Gleichzeitig sollte man aber auch darum bemüht sein, den Anderen, das Unbekannte und mir Fremde zu verstehen, was allerdings auch eine gewisse Neugierde und Offenheit erfordert. Toleranz heißt nicht, das ich das, was mir nicht eigenen ist, gutheiße, wohl aber, dass ich es zu verstehen suche oder zumindest als Ausdruck einer mir fremden Auffassung respektiere. Toleranz schließt nicht aus, dass man anderen Meinungen durchweg entschieden entgegentritt; sie beinhaltet aber ebenso, dass man alles dafür gibt, dass jedermann auch seine Überzeugung frei und offen vortragen kann.

Toleranz setzt ein gewisses Maß an Wissen voraus. Ich kann nicht wirklich tolerieren, was ich überhaupt nicht begreife. Solche “Toleranz” wäre allenfalls als formale Toleranz zu bezeichnen, die andere Meinung einfach hinnimmt und ungeschoren lässt. Wirkliche Toleranz äußert sich in inhaltlicher Toleranz, die fremde Auffassungen auch von innen her zu verstehen sucht. Dies erfordert, dass man sich mit dem Unbekannten auseinander setzt, es in seinem Selbstverständnis akzeptiert, ohne es notwendigerweise auch zur eigenen Überzeugung werden zu lassen.

Gelebte Toleranz gehört zusammen mit unbedingter Friedfertigkeit oder Gewaltlosigkeit zu den obersten Idealen des Buddhismus. Eine friedfertige und duldsame Gesinnung kommt dadurch zustande, dass man sich selbst (sein geliebtes und zumeist überbewertetes “Ich”) zu relativieren weiß und achtsam (die Wirkungen aller Handlungen stets vor Augen haltend) durchs Leben geht. Eine echte Herausforderungen in unserer von egoistischen Motivationen beherrschten Welt, die ein grundlegendes Umdenken abverlangt und das eigene Ego im Blick auf ein umfassenderes Ganzes zu relativieren weiß.