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Suizid

Nach der Lehre vom Karma, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, sind wir in eine an Raum und Zeit gebundene Lebenssituation gestellt. Das heißt: Alles Leben hat seine notwendige Voraussetzung, denn dass ich bin, bedeutet, dass vor mir schon anderes war, und dass nach mir wieder anderes sein wird. Im Grunde bestehe ich nicht als Individuum (In-Dividuum bedeutet “das Un-teilbare”), sondern als Teil eines größeren Ganzen. Somit hat mein Da-Sein (meine Existenz) immer auch Auswirkungen auf dieses Ganze oder kommende Ereignisse und Erscheinungsformen.

Vor diesem Hintergrund sehen Buddhisten den Suizid oder die Selbsttötung (das Wort “Selbstmord” ist nicht sehr treffend und sollte vermieden werden) als eine Handlung, die dem Karma-Gesetz zuwiderläuft. Der Suizid ist eine Handlung, die einen durch karmische Verursachung in Gang gesetzten und zur Vollendung angelegten (oder wirkenden) Lebensprozess gewaltsam unterbricht, nicht aber beendet. Dazu kommt, dass der Buddhismus grundsätzlich jede Form der Lebensberaubung – damit auch die Selbsttötung – als “unheilsam” bezeichnet. Nach buddhistischer Auffassung, wird der, der sich selbst tötet, in einer kommenden Existenz (Wiedergeburt) mit dem nicht gelösten Problem seiner Vorexistenz unweigerlich wieder konfrontiert und verhinderte Erfahrungen eines gescheiterten Lebens aufs Neue bestehen müssen. Der Buddhismus anerkennt dennoch die volle Autonomie des Menschen und damit auch die Freiheit eigener Entscheidungen, so dass der Suizid nicht etwa verboten ist und der Suizidant auch keine moralische Verurteilung erfährt. Dass jemand in die Lage kommt, aus innerer Not aus dem Leben zu scheiden, ist aber ein Zeichen tiefer Verzweiflung und sollte von der Umwelt nicht einfach ignoriert werden. Zumeist sind Anzeichen suizidaler Gefährdung erkennbar, so dass jeder aufgerufen ist, aus einem Gefühl des Mit-Empfindens und mit liebendem Verständnis alle nur mögliche Hilfe dort zu leisten, wo diese gefordert ist.